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30. Oktober 2009
Elektronische Gesundheitsakte sorgt weiter für Diskussionen

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Digitale Laborbefunde, E-Medikation oder der Online-Zugriff auf Diagnosen und Krankheitsverläufe: Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im heimischen Gesundheitswesen ist weiter umstritten. Vom „Gebot der Stunde" bis zum „bedrohlichen Schritt" reicht dabei die Meinungspalette von Experten, die das Thema bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien diskutierten.

 

Vor allem der Föderalismus und die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten dürften für Verzögerungen sorgen. „Es ist das Gebot der Stunde, die vorhandene Technologie zu verwenden und nicht mehr lange zu diskutieren", erklärte Alexander Schanner, Programm-Manager der Arbeitsgemeinschaft Elektronische Gesundheitsakte (ARGE ELGA), die mit der Umsetzung des Projekts beauftragt ist. „Auch mir geht es zu langsam. Ich bin aber in diesem strukturellen Korsett gefangen", verwies er auf die politischen Rahmenbedingungen.

 

Es gebe ein „inhomogenes Spannungsfeld", weshalb zuerst das Misstrauen zwischen den Beteiligten abgebaut werden müsse. Fronten existierten etwa zwischen Sozialversicherung und Bund, aber auch zwischen einzelnen Ländern. „Wenn sich die Politik durchringt, die Finanzierung freizugeben", seien erste ELGA-Pilotprojekte regional allerdings bereits im kommenden Jahr umsetzbar. Entschieden werde über die Freigabe der Gelder voraussichtlich noch im November.

 

Standards statt Insellösungen

Die Konzeption und Planung erfolge gemeinsam mit Bund, Ländern und Sozialversicherungen, „weil die ja auch dafür bezahlen, und nicht durch die IT-Branche", reagierte Schanner auf entsprechende Kritik. Durch die konsequente Anwendung internationaler Standards würden Insellösungen einzelner Hersteller vermieden. Damit sei Österreich „bestens gerüstet, einen Datenaustausch im internationalen Umfeld zum Nutzen seiner Bürger, aber auch seiner Gäste, durchführen zu können".

 

IT-Anbieter würden „ihre Chance im Zuge der Umsetzung haben, wenn sie bereit sind, offene Systeme auf Basis internationaler Standards zu liefern", sagte Schanner, der „fiebrige Schübe" bei Lieferanten von proprietären - also „hauseigenen", nicht standardisierten - Lösungen ortet. Der Euphorie durch die erwarteten Umsätze sei ein böses Erwachen gefolgt, da man keinen Wildwuchs von Insellösungen wünsche.

 

Geplant sei auch ein Portal, über das die Bürger auf ihre Daten zugreifen und einsehen könnten, wer wann welche Daten abgerufen hat. Abgewickelt werden soll das über die Bürgerkarte. Diese sei allerdings „nicht wahnsinnig weit verbreitet", weshalb auch andere Technologien - etwa Handy-TANs - in Betracht kämen. „Insgesamt haben wir noch mehrere Triathlons zu absolvieren bis wir am Ziel sind", so Schanner.

 

IKT-Sektor kritisiert Verzögerungen

Kritik an der zögerlichen Umsetzung kommt auch von der IKT-Branche: „Seit dem Jahr 2005 haben wir überall brav mitgearbeitet, aber es hat sich wenig getan", erklärte Manfred Rieser von der Telekom Austria. Außerdem sei viel an Innovation verloren gegangen, weil nur große Unternehmen „die Luft dazu haben, so lange mitzumachen". Kleinere würden dadurch ausgeschlossen. Aber auch Branchengrößen könnten sich zurückziehen, „wenn der Public Partner es nicht schafft, österreichweit geltende Rahmenbedingungen und damit auch ein kalkulierbares Risikoszenario zu schaffen".

 

Es könne in einem kleinen Land wie Österreich nicht zugelassen werden, dass jedes Bundesland seine eigene E-Health-Strategie gestalte. „Wir fordern einen starken Public Partner, der zusichern kann, dass in einem Bundesland gemachte Erfahrungen nicht neunmal neu wiederholt werden müssen", so Rieser. Vielmehr sollte man die Grenzen endlich überwinden - egal ob zwischen Kärnten und Slowenien oder der Steiermark und dem Burgenland, „wobei Letzteres anscheinend schwieriger ist."

 

Datensammlung zur Bürgerüberwachung

ELGA sei im besten Fall eine Datensammlung zur Bürgerverwaltung, im wahrscheinlichsten Fall zur Bürgerüberwachung, kritisierte hingegen Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbands (ÖHV). Schließlich würde der Gesetzgeber immer wieder neu definieren, welche Daten den Behörden zur Verfügung gestellt werden müssten, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen.

 

Auch das beste System sei knackbar, wobei er keine Angst vor der Entblößung von Peinlichkeiten mancher Prominenter habe. „Vielmehr befürchte ich eine vollkommen legale Nutzung der Daten durch die Bürokratie", sagte Euler. Bereits jetzt werde viel elektronisch abgewickelt. „Jeder Schritt mehr ist ein bedrohlicher Schritt." Es werde „für alle Zukunft eine Datenbasis geschaffen, durch die im Laufe der Zeit die fürchterlichsten Dinge passieren können".

 

Die Basis der Reform sei das Misstrauen der Bürokraten gegenüber Ärzten und Patienten, das Ziel der Reform sei Einsparung. „Wer kann zwischen diesen Eckpunkten auf positive Ergebnisse hoffen?", fragte sich der Ärzte-Vertreter. „Durch ELGA werden Krankheiten gut verwaltet und Kranke schlecht behandelt. Da werden Daten mit Informationen und Informationen mit Kommunikation verwechselt", so Euler.

 

„Umsetzen statt diskutieren"

Differenziert bewertete Harald Lakatha, Geschäftsführer von IT Solution, die ELGA-Einführung. Einerseits verstehe er nicht, dass wegen einzelner Problemfelder gleich das ganze Projekt abgelehnt werde, andererseits stünden sich Datenschutzinteressen und die Notwendigkeit, einen Gesamtüberblick über den Patienten zu erhalten, gegenüber. Grundsätzlich sei ELGA aber ein Quantensprung, „weil ich Daten abrufen kann, ohne wissen zu müssen, wo sie liegen", strich Lakatha hervor.

 

Ein wichtiger Punkt sei die Selbstbestimmung des Patienten über seine Gesundheitsdaten. „Im Datenschutzgesetz ist das Recht jedes Individuums verankert, die über ihn gespeicherten Daten einzusehen, bei Nichtbedarf zu löschen und bei Fehlerhaftigkeit korrigieren zu lassen. Diese drei Grundsätze müssen auch im Gesundheitsbereich angewandt werden", sagte Lakatha. Um dies effektiv durchführen zu können, sei ein elektronischer Zugriff der Patienten auf die eigenen Daten erforderlich.

 

Fight Dr. Offline vs Dr. Online

„Widerstände hat es auch bei der E-Card immer wieder und von allen Seiten gegeben. Letztendlich waren die Leute, die sie benutzt haben, begeistert", ergänzte Thomas Jäkle vom WirtschaftsBlatt. Internet sowie die stärkere Vernetzung und Partizipation der Patienten seien Trends, die sich nicht aufhalten ließen. Allerdings habe die Ärzteschaft derzeit ein massives Problem mit Patienten, die sich online informieren. "Den Fight Dr. Offline vs Dr. Online fürchten die Götter in Weiß wie der Teufel das Weihwasser", so Jäkle. Der mündige Bürger fordere aber Kommunikation sowie Mit- und Ansprache.

 

Bei all diesen Themen stehe die Frage im Vordergrund, „wie diese sensiblen Daten gehandhabt werden. Wer hat Zugang, wer speichert was wo?", gab sich Robert Ludwig vom Systemintegrator  NextiraOne überzeugt. Hier seien höchste Ansprüche an Datensicherheit, Verschlüsselung und Performance notwendig. „Wie bei der klassischen Medizin ist immer die richtige Diagnose der Anforderungen und die Dosierung der Medikamente der Schlüssel zur Gesundung", so Ludwig.

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