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01. Dezember 2006
Mobile Business: Wenn das Büro auf Reisen geht
Bei heimischen Klein-und Mittelbetrieben herrscht steigende Nachfrage nach Mobile Office-Lösungen.
Wien. Zwei Dinge waren es, die in den 90er-Jahren zur Geburt des "Mobile Business" führten: einerseits standen zuerst mit dem Aufkommen von transportablen Notebooks (und später verschiedensten PDAs und Handhelds) plötzlich Möglichkeiten offen, an den Desktop-Rechner gebundene Geschäftsprozesse auch "vor Ort" zu erledigen. Auf der anderen Seite entstand mit der Mobilfunkindustrie die technische Voraussetzung für die drahtlose Datenkommunikation zwischen "externen" Mitarbeitern und dem Unternehmen. Aus den ersten Konzepten, die sich hauptsächlich darum drehten, mit dem Notebook im Grünen E-Mails und Texte zu schreiben, wurden umfangreiche Systeme, die verschiedenste Aspekte des mobilen Arbeitens abdecken. Die Bandbreite ist größer denn je und reicht von Entertainment-und Datendiensten, die mittels Handy und PC abgewickelt werden, bis zu Spezialanwendungen, die es Mitarbeitern im Außendienst erlauben, gesammelte Informationen direkt ins Unternehmensnetz einzubinden und auf dort gespeicherte Informationen zuzugreifen. "Mobile Business" ist vielseitig - so vielseitig wie die Geschäftswelt selbst.
Datenkarten im Aufwind
"Mobiles Arbeiten wird bei österreichischen Unternehmen, sowohl bei den Großen als auch im Bereich der Kleinstunternehmen, immer wichtiger", ist Michael Fried, Geschäftsführer Marketing & Sales beim Mobilfunkanbieter One, überzeugt. "Im Telefoniebereich dominiert das Handy die Kommunikation. Auch im Datenbereich geht die Entwicklung in Richtung mobil. Ob mobiles Senden und Empfangen von E-Mails oder der mobile Zugriff auf Firmennetzwerke - immer mehr Unternehmen statten ihre Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten wie Smartphones, PDAs oder UMTS/HSDPA-Datenkarten für die Nutzung von mobilem Breitband aus, mit denen auch eine Daten-übertragung möglich ist." Deshalb seien maßgeschneiderte Lösungen zurzeit stark im Steigen begriffen.
Ähnlich denkt auch Michael Bartz vom IT-Beratungsunternehmen Capgemini. "Im Geschäftskundensegment ist allen bewusst, dass Datenkarten, mobile E-Mails und - mit langsamer Geschwindigkeit - auch mobil verfügbare Applikationen den Markt erobern", erklärte er im Rahmen einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community. "Diese Welle erreicht nun auch die Klein-und Mittelunternehmen. Eine Revolution findet jedoch im Konsumentenmarkt statt", so Bartz, der als größte Umsatzbringer Anwendungen wie mobiles E-Mail, Video, TV und Musik betrachtet. Auch der "Handy-Personalisierungsmarkt" (spezielle Klingeltöne, Hintergrundbilder aus aktuellen Kinofilmen etc) habe ein enormes Potenzial - global "rund sieben Milliarden Euro bis zum Jahr 2008", wobei er ein "trojanisches Pferd und wunderbarer Werbeträger für Aktionen wie den aktuellen James Bond-Filmstart" sei. Bereits 2004 erreichten die Klingelton-Verkäufe in Großbritannien 174 Mio. Euro (zum Vergleich: für CD-Singles wurden nur knapp 80 Millionen ausgegeben).
Spannender Markt
"Wir sind in einer spannenden Phase der mobilen Kommunikation", ist auch Michael Fried von One überzeugt. "Der Wunsch, sich gänzlich von der Festnetztelefonie zu lösen, wird nun auch bei Unternehmen immer vehementer. Was noch vor einigen Jahren undenkbar war, wird jetzt Realität: sich nämlich komplett auf mobile Telefonie zu verlassen. Daneben steigt auch die Nachfrage nach Mobile Office-Lösungen." Die Lösung im One-Portfolio heißt "Outlook am Handy" und inkludiert auch Push-Mails. "Wir haben diese Produkt gemeinsam mit Microsoft und dem Internet Provider EUnet für Unternehmen ohne eigene Server-Infrastruktur entwickelt." One will sich in Zukunft "noch stärker den Kleinstunternehmen widmen und ihnen für ihre Bedürfnisse maßgeschneiderte mobile Lösungen sowohl im Voice-als auch im Datenbereich anbieten", sagt Michael Fried. Und: "Der Mobilfunkmarkt war in der Vergangenheit sehr technikgetrieben. Daran sind sicherlich einige Produkte gescheitert. Es gilt nun, die Technik an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen und nicht umgekehrt, das heißt, einfach verständliche Anwendungen zu schaffen oder leicht zu bedienende Endgeräte anzubieten, die einen problemlosen Einstieg in die mobile Arbeitswelt ermöglichen."
Auch auf die Medien-und Werbeindustrie habe die neue Mobilität "dramatische Auswirkungen", meint Bartz. "Hier wird derzeit das Geschäftsmodell neu erfunden. Die Ausgaben verlagern sich: Coca-Cola gibt bereits jetzt geschätzte 1,5 Milliarden US-Dollar für mobiles Marketing aus."
Österreich liegt vorne
Auch Andreas Szamosvari von T-Mobile Austria ortet einen verstärkten Trend zu mobilen Datenanwendungen: "Wir verzeichnen beim mobilen E-Mail-Abruf Wachstumsraten von 50 Prozent pro Monat", sagt er. "Bei Datenkarten, Netztechnologie und Abdeckung im Bereich Breitband für unterwegs ist Österreich europaweit die Nummer eins." Laut Szamosvari seien in der Alpenrepublik zurzeit zwischen 200.000 und 250.000 Datenkarten im Einsatz. Allerdings sieht Chris Budgen von diamond:dogs auch eine neue Herausforderung für die Mobilfunkbetreiber, die die Basis für die verschiedensten Dienste liefern müssen. "Zukünftige Umsätze werden verstärkt über die Vermarktung von Inhalten und Applikationen generiert werden müssen", meint Budgen, und Alexander Slezak von Gentics ist überzeugt, dass zumindest Geschäftskunden ihre "Internet-Erledigungen" zunehmend auf das Handy verlagern werden.
"Intelligente mobile Dienste sind für den Information Worker - vor allem im Vertrieb und im Kundenservice - die Erweiterung der Unternehmensportale im Web. Das ermöglicht personalisierte Informations-, Kommunikations-und Businessdienste rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Mobile Services werden in Österreich sogar schon auf der Baustelle eingesetzt", so Slezak.
Keine Killer-Applikationen
"Ob es sich um Urlaubsreisen, Geschäftsprozesse oder Mitarbeiter eines Unternehmens handelt - alles hat bereits oder braucht neue Mobilitätslösungen", ist Robert Ludwig von Nextira One überzeugt. "Die Voraussetzung, um mit dem globalen Wettbewerb Schritt halten zu können, ist eine professionelle Infrastruktur, gepaart mit dem richtigen Angebot an Dienstleistungen." In diese Kerbe schlägt auch Edwin Ronacher von Kapsch CarrierCom: "Die Technologie funktioniert schon lange. Allerdings muss nun das Kundenbedürfnis geweckt werden. Dem Zwang, unbedingt eine Killer-Applikation finden zu müssen, sollte man nicht nachgeben."
Bild: Michael Fried von One ortet mobiles Interesse bei vielen KMUs. Bild: Mobile Business Diskussion im Rahmen der Apa E-Business-Community.
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