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04. März 2011
"Stop and Go“ wird zum Joballtag
Die "always on“-Mentalität verlange nach einer neuen Unternehmenskultur.
Wien. Die heutige Arbeitswelt hat nur mehr wenig mit der vor zehn Jahren gemein: Getrieben vor allem von der Informationstechnologie, wird sie schnelllebiger und globaler. Zusätzlich wachsen Berufs- und Privatleben sukzessive zusammen und machen den Mitarbeiter immer und überall erreichbar. Genau diese "always on“-Mentalität, die an sich für mehr Produktivität und Flexibilität sorgen sollte, ist derzeit unser größtes Hindernis. Zu dieser Erkenntnis kamen vergangenen Donnerstag diverse Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community.
Massive Belastung
"Alle elf Minuten werden wir durch eintrudelnde E-Mails, Telefonate oder Kollegen unterbrochen. Danach machen aber 40 Prozent der Mitarbeiter etwas anderes als zuvor, wodurch massive Produktivitätsverluste auftreten“, erklärte Josef Herget, Leiter des Zentrums für Wissens- und Informationsmanagement an der Donau-Universität Krems. "Dieser Trend scheint nicht abzunehmen. Irgendwas läuft da falsch. Wir sind produktiver geworden, aber in vielen Bereichen auf Kosten der Menschen“, so Herget. So verfolge uns die Arbeit in die Freizeit und durchlöchere unsere Erholungsphasen. Zudem gehe laut Herget die Autonomie im Büro deutlich zurück, weil technische Systeme den Arbeitsablauf bestimmen und Wissens- zu Fließbandarbeitern machen würden.
Das sei der komplett falsche Weg. Denn: Um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen, müsste man ihnen mehr Autonomie zugestehen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie etwas Sinnvolles tun, erklärte Herget. "Dann können neue Technologien am Arbeitsplatz sowohl die Produktivität als auch die Arbeitszufriedenheit erhöhen“, so der Experte.
Auch Silvia Hruska-Frank von der Arbeiterkammer ist überzeugt, dass sich Betriebe und Führungskräfte dazu schleunigst etwas überlegen müssten: "Auch wenn es nicht angeschafft wurde, hat sich da viel eingebürgert. Welcher Chef hat früher am Wochenende am Festnetztelefon angerufen und ist davon ausgegangen, dass sofort abgehoben oder zumindest zurückgerufen wird?“, so Hruska-Frank.
Die permanente Erreichbarkeit könne auch gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Außerdem passe die finanzielle Gegenleistung meist nicht dazu, "dass Arbeitnehmer oft nicht einmal wissen, wann sie eigentlich Freizeit haben“. Die technologische Entwicklung biete aber auch Vorteile, zum Beispiel, wenn sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Effizienz und damit die Zufriedenheit im Job verbessere. "Die Unternehmen haben ja ein Interesse daran, dass die Mitarbeiter nicht ausbrennen. Die Gefahr wird aber größer“, meinte Gerhard Laga von der Wirtschaftskammer Österreich. Das müssten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer erkennen und gemeinsam Richtlinien erarbeiten, um Klarheit und Transparenz über Erwartungen und Verantwortlichkeiten zu schaffen, so Laga abschließend.
Bild: Diskutierten über die neue Welt der Arbeit: v.li.n.re. Josef Herget, Peter Rass, Silvia Hruska-Frank, Thomas Stern, Alexandra Moser, Robert Ludwig und Gerhard Laga.
27. Juni 2013
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