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"Stop and Go“ wird zum Joballtag
Arbeitswelt 2.0 Alle elf Minuten werden wir durchschnittlich im
Arbeitsprozess unterbrochen, danach machen 40 Prozent etwas ganz
anderes
Die "always on“-Mentalität verlange nach einer neuen
Unternehmenskultur.
Wien. Die heutige Arbeitswelt hat nur mehr wenig mit der vor zehn
Jahren gemein: Getrieben vor allem von der Informationstechnologie,
wird sie schnelllebiger und globaler. Zusätzlich wachsen Berufs- und
Privatleben sukzessive zusammen und machen den Mitarbeiter immer und
überall erreichbar. Genau diese "always on“-Mentalität, die an sich
für mehr Produktivität und Flexibilität sorgen sollte, ist derzeit
unser größtes Hindernis. Zu dieser Erkenntnis kamen vergangenen
Donnerstag diverse Expertinnen und Experten bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community.
Massive Belastung
"Alle elf Minuten werden wir durch eintrudelnde E-Mails,
Telefonate oder Kollegen unterbrochen. Danach machen aber 40 Prozent
der Mitarbeiter etwas anderes als zuvor, wodurch massive
Produktivitätsverluste auftreten“, erklärte Josef Herget, Leiter des
Zentrums für Wissens- und Informationsmanagement an der
Donau-Universität Krems. "Dieser Trend scheint nicht abzunehmen.
Irgendwas läuft da falsch. Wir sind produktiver geworden, aber in
vielen Bereichen auf Kosten der Menschen“, so Herget. So verfolge uns
die Arbeit in die Freizeit und durchlöchere unsere Erholungsphasen.
Zudem gehe laut Herget die Autonomie im Büro deutlich zurück, weil
technische Systeme den Arbeitsablauf bestimmen und Wissens- zu
Fließbandarbeitern machen würden.
Das sei der komplett falsche Weg. Denn: Um die Zufriedenheit der
Mitarbeiter zu erhöhen, müsste man ihnen mehr Autonomie zugestehen
und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie etwas Sinnvolles tun,
erklärte Herget. "Dann können neue Technologien am Arbeitsplatz
sowohl die Produktivität als auch die Arbeitszufriedenheit erhöhen“,
so der Experte.
Auch Silvia Hruska-Frank von der Arbeiterkammer ist überzeugt,
dass sich Betriebe und Führungskräfte dazu schleunigst etwas
überlegen müssten: "Auch wenn es nicht angeschafft wurde, hat sich da
viel eingebürgert. Welcher Chef hat früher am Wochenende am
Festnetztelefon angerufen und ist davon ausgegangen, dass sofort
abgehoben oder zumindest zurückgerufen wird?“, so Hruska-Frank.
Die permanente Erreichbarkeit könne auch gesundheitliche Probleme
mit sich bringen. Außerdem passe die finanzielle Gegenleistung meist
nicht dazu, "dass Arbeitnehmer oft nicht einmal wissen, wann sie
eigentlich Freizeit haben“. Die technologische Entwicklung biete aber
auch Vorteile, zum Beispiel, wenn sie die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie, die Effizienz und damit die Zufriedenheit im Job verbessere.
"Die Unternehmen haben ja ein Interesse daran, dass die Mitarbeiter
nicht ausbrennen. Die Gefahr wird aber größer“, meinte Gerhard Laga
von der Wirtschaftskammer Österreich. Das müssten sowohl Arbeitgeber
als auch Arbeitnehmer erkennen und gemeinsam Richtlinien erarbeiten,
um Klarheit und Transparenz über Erwartungen und Verantwortlichkeiten
zu schaffen, so Laga abschließend.
Bild: Diskutierten über die neue Welt der Arbeit: v.li.n.re. Josef
Herget, Peter Rass, Silvia Hruska-Frank, Thomas Stern,
Alexandra Moser, Robert Ludwig und Gerhard Laga.
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