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EBC-Newsletter #5/2008
"Ausweis bitte!" – Digitale Identität hat noch Durststrecke vor sich
APA/Andrea Berger - Bei der APA-E-Business-Community diskutierten Experten über digitale Identitäten (v.l.n.r.): Thomas Stern (Moderator/Braintrust), Ralph Zeller (Microsoft Österreich), Christian Rupp (Plattform Digitales Österreich), Harald Lakatha (IT Solution), Herbert Tischler (Telekom Austria), Christian Blauensteiner (WKO), Hartmut R. Gailer (SER Solution), Georg Krause (Deloitte Consulting) und Martin Wagner (ANECON).

 

Im Privatleben und im Internet hat man möglicherweise viele Identitäten, im staatlichen Bereich nur eine. Bei Behördenwegen kann deshalb zwar seit einiger Zeit die Bürgerkarte verwendet werden, man steht dabei aber auch noch vor großen Herausforderungen, waren sich Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien einig.

 

„Für Unternehmer wird die digitale Signatur zur Notwendigkeit, weil hier Zeit auch Geld ist und Ende 2009 die EU-Dienstleistungsrichtlinie in Kraft tritt. Der Bürger kann sich hingegen frei entscheiden", erklärte Christian Rupp, Sprecher der Plattform „Digitales Österreich". Ziel sei, die 100.000er-Grenze bei den Bürgerkarten bis Jahresende zu knacken. Helfen soll dabei auch Aufklärung: Noch wüssten beispielsweise nur wenige, dass die elektronische Signatur auf der E-Card gratis sei. „Bei der Bankomatkarte ist die Funktion hingegen - noch - kostenpflichtig", so Rupp. Eine natürliche Barriere sei, dass erst 65 Prozent der Österreicher das Internet nutzen würden. Aber auch bei der Bankomatkarte seien 15 Jahre vergangen, bis sie sich durchgesetzt habe.

 

„Im Geschäftsleben gibt es andere Anforderungen an die Identität als in der Verwaltung. Schließlich zückt man bei einem Treffen mit Partnern oder Kunden die Visitenkarte und nicht den Führerschein", bezweifelte Georg Krause, Managing Partner von Deloitte Consulting, die Vorteile für die Wirtschaft. Im Alltag sei eine so starke Authentifizierung wie bei der Bürgerkarte nicht notwendig, was auch die aktuelle Entwicklung im Bereich Web 2.0 zeige. Dienstleistungen müssten schnell und einfach angeboten werden, sonst würde man sich selbst aus dem Markt katapultieren. „Die Bürgerkarte ist Identität 1.0. Unternehmen wie eBay zeigen uns die Alternativen auf", so Krause.

 

„Die Menschen haben heute eine Vielzahl von digitalen Identitäten, die ihren jeweiligen Zweck hinreichend erfüllen", relativierte Harald Lakatha, Geschäftsführer von IT Solution. Beim Einkauf mit einer Bankomatkarte, dem Ausleihen von Filmen in der Videothek oder der digitalen Verwaltung würde man zwar ein Stück seiner Identität preisgeben. Dennoch könnten die Fälle nicht so einfach verglichen werden, weil manchmal eben mehr Sicherheit notwendig sei. Eines stehe aber fest: „Wir können das Geschäft von morgen nicht mit der Technologie von gestern abwickeln", sagte Lakatha.

 

Mehr Anwendungen, mehr Nutzer

Als Problem bei der Bürgerkarte sieht Herbert Tischler von der Telekom Austria die durch die notwendige Hardware fehlende Mobilität: „Für die Bürger muss es eine Lösung geben, die ohne Kartenleser auskommt. Im Geschäftsbereich kann man aber dort, wo man es braucht, viel Geld sparen." Obwohl Österreich zu den führenden EU-Ländern beim E-Government zähle, gebe es nach wie vor viel zu wenige Anwendungen, wo die Bürgerkarte eingesetzt werden könne. „Die elektronische Rechnung wäre sicher sinnvoll. Es ist aber klar, dass das nicht optimal umgesetzt worden ist", ergänzte Christian Blauensteiner von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Deshalb werde es noch geraume Zeit dauern, bis sich die elektronische Signatur durchsetzt.

 

„Der Installationsaufwand für sichere Lösungen wie die Bürgerkarte überfordert viele Anwender", meinte Ralph Zeller von Microsoft Österreich. Die Herausforderung der kommenden Jahre sei deshalb, den Nutzen sicherer digitaler Identitäten zu vermitteln und diese gleichzeitig so benutzerfreundlich wie den Umgang mit Usernamen und Passwort zu gestalten. „Es wächst ohnehin eine Generation heran, die an verschiedene Identitäten gewohnt ist. Von denen kommt der Rückenwind. In der Verwaltung kann man aber nicht wie beim Internet auf Selbstregulierung umstellen", erklärte Martin Wagner von ANECON.

 

„Der Nutzer wird entscheiden", so Hartmut R. Gailer, Geschäftsführer von SER Solutions. Ob beispielsweise der Einkauf im Online-Shop schnell und einfach oder doch ein bisschen aufwendiger und dadurch sicher durchgeführt werden soll, müssten die Bürger mit sich selbst ausmachen. „Anwendungen, die wenig erfolgreich sind, verschwinden von selbst vom Markt. Der User wird's schon richten. Allerdings sollte man neben den Risiken auch die Chancen einer Technologie diskutieren", forderte Gailer.

Media Broadcast-Konsortium erhält Handy-TV-Lizenz
Foto: APA/Fohringer - "Breite Basis" der Zusammenarbeit angestrebt

Die KommAustria hat dem Konsortium der Firmen Media Broadcast, One und 3 offiziell den Zuschlag für den Betrieb der österreichweiten Handy-TV-Plattform erteilt. Die Entscheidung sei „eindeutig" ausgefallen, sagte Behördenleiter Michael Ogris bei einer Pressekonferenz in Wien. Er hob dabei besonders die Punkte „Finanzkraft" und „Meinungsvielfalt" hervor.

 

„Das Programmbouquet, die zukünftige Entwicklung sowie die Erklärung, warum konkrete Rundfunkveranstalter in das Angebot aufgenommen wurden, waren bei der Media Broadcast eindeutig besser, beziehungsweise besser nachvollziehbar", erläuterte Ogris die Entscheidung. Die Angaben des noch verbleibenden - hauptsächlich aus Zeitungsverlagen bestehenden - Bieters Mobile TV Infrastruktur GmbH seien „zu wenig genau" gewesen.

 

Media Broadcast strebt nun „eine möglichst breite Basis" bei der Zusammenarbeit mit bisher noch nicht im Konsortium vertretenen Marktteilnehmern an. Die Zulassungsdauer für den Multiplex-Betrieb erstreckt sich auf zehn Jahre. Innerhalb von zwei Wochen kann jedoch noch Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt werden. Eine Berufung vor dem Bundeskommunikationssenat (BKS) würde grundsätzlich den Start von Handy-TV via DVB-H verzögern. Die Media Broadcast kann jedoch einen Antrag auf „Ausschluss der aufschiebenden Wirkung" stellen, um den Start rechtzeitig zur EURO 2008 nicht zu gefährden.

 

Laut Vorgabe der Behörde soll das zugelassene Konsortium innerhalb von zehn Monaten landesweit eine technische Reichweite von 50 Prozent der Bevölkerung aufbauen. Dieser Anspruch ist allerdings nicht zwingend. Die Lizenz betrifft neben der Ausstrahlung von Fernsehen über DVB-H auch die Verbreitung von mobilem terrestrisch-digitalem Radio.

IT-Branche erwartet durch CeBIT neue Impulse
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Riesige Bildschirme, kleine Handys und leistungsfähige Rechner: Die weltgrößte Computermesse CeBIT öffnet von 4. bis 9. März in Hannover ihre Tore und versucht mit der Konzentration auf Kernthemen einen Neustart. Denn seit Jahren kämpft der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, mit sinkenden Besucher- und Ausstellerzahlen sowie Kritik am fehlenden Profil.

 

Durch die Verkürzung der Messedauer von sieben auf sechs Tage soll den Unternehmern geholfen werden, Kosten zu sparen. Dennoch ist die Ausstellerzahl heuer erneut von 6.153 auf 5.845 gesunken. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 verzeichneten die Veranstalter noch eine Rekordbeteiligung von rund 8.100 Firmen. Das Fachpublikum soll durch eine übersichtlichere Struktur und zahlreiche Sonderveranstaltungen angelockt werden.

 

Die Aussteller wollen unterdessen der sich abkühlenden Konjunktur mit neuen Produkten und Diensten trotzen. Neben mobilem Internet und dem Klassiker IT-Sicherheit darf heuer natürlich auch das neue Verkaufsargument der IT-Hersteller namens „Grüne Technologie" nicht fehlen, bei dem die Themen Umweltschutz und Energieeffizienz getrommelt werden. Die Mobilfunker setzen hingegen auf den vom Apple iPhone ausgelösten Trend zu berührungsempfindlichen Displays.

 

Computer und Handyabsatz im Aufwind

Die Zahl der potenziellen Kunden steigt unterdessen weiter an. Besonders im Nahen Osten, in Afrika, Asien und dem Pazifikraum gibt es bei der IT-Ausstattung starke Zuwächse. So sind im Vorjahr weltweit rund 271 Millionen PCs ausgeliefert worden, ein Plus von 13,4 Prozent gegenüber 2006, ergibt eine Studie des Marktforschers Gartner. An der Spitze lag weiterhin Hewlett-Packard (18,2 Prozent) vor Dell (14,3 Prozent) und Acer (8,9 Prozent).

 

Bei Mobiltelefonen holen vor allem China und Indien stark auf. Weltweit sind im vergangenen Jahr 1,15 Mrd. Handys verkauft worden, was einem Zuwachs von 16 Prozent entspricht. Für heuer wird ein Plus von etwa zehn Prozent prognostiziert. Unangefochtene Nummer eins blieb Nokia (37,8 Prozent). Deutlich abgeschlagen folgen Motorola (14,3 Prozent), Samsung (13,4 Prozent) und Sony Ericsson (8,8 Prozent). In Westeuropa wünschen sich die Verbraucher vor allem Modelle mit TV-Empfänger, GPS, Touch Screens oder hochauflösenden Kameras, so Gartner.

Wenig Interesse an CeBIT bei heimischen Firmen
Foto: APA/dpa - Zahl österreichischer Aussteller stagniert

Aus Österreich sind heuer rund 40 Aussteller auf der weltgrößten Computermesse CeBIT vertreten und damit ungefähr gleich viel wie 2007. In den Jahren 2001 und 2002 präsentierten sich noch mehr als 80 Betriebe dem Publikum.

 

„Besonders im Softwarebereich wäre mehr möglich gewesen, aber die heimischen Unternehmen gehen lieber mit den Branchengrößen zusammen auf die Messe. Bei Microsoft tummeln sich wahrscheinlich 200 Betriebe am Stand. Dadurch verlieren sie aber ihre Identität", erklärte Wolfgang Weninger, Repräsentant der CeBIT in Österreich, gegenüber der APA. Geplant gewesen sei außerdem ein Gemeinschaftsstand mit der Fachgruppe Unternehmensberatung und IT (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich mit den Schwerpunkten E-Government, IT-Sicherheit und Open Source. „Der ist aber leider nicht zustande gekommen", so Weninger.

 

Mit einem Gemeinschaftsstand auf der CeBIT vertreten ist hingegen die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG). Neben der Technischen Universität (TU) Wien und der Uni Wien rückt im „future parc" genannten Innovationszentrum unter anderem auch das Software Competence Center Hagenberg neue Forschungsprojekte in den Blickpunkt. „Für uns hat vor allem das Feedback der Nutzer und potenziellen Kunden große Bedeutung. Außerdem können wir uns hier mit anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie vernetzen", sagte Jakob Frank von der TU Wien, der den OCG-Auftritt organisiert.

 

Vorgestellt wird etwa eine Software zur Musikanalyse, die Ähnlichkeiten aufspüren und anschließend einen intuitiven Überblick durch eine „Geschmacks-Landkarte für Musik" geben soll. Weitere Projekte beschäftigen sich mit Computerforensik, Simulationswerkzeugen oder Licht- und Klimasteuerung im Haus. „Die Uni Wien arbeitet außerdem an einer Lösung, bei der Dateien nicht in einer Ordnerstruktur dargestellt werden, sondern es durch semantische Systeme eher dem Ablegen von Information in bestimmten Regionen des Gehirns ähnelt", so Frank.

 

Briefe oder E-Mails schreiben per Gedankenkraft

Wer ausprobieren will, wie man Briefe mit Gedanken statt mit der Tastatur schreibt, kann dies am Messestand des österreichischen Medizintechnikunternehmens „g.tec medical engineering" tun. Dabei muss eine Elektrodenhaube aufgesetzt werden, die die Gehirnströme (EEG) der Versuchsperson misst und über einen Biosignalverstärker in konkrete Befehle auf dem Monitor übersetzt.

 

Die während der CeBIT gesammelten Daten der freiwilligen Tester finden Eingang in ein neues EU-Projekt, bei dem es um „intelligentes Wohnen" geht. Im Vordergrund des Messeauftritts steht für g.tec, das hauptsächlich Forschungseinrichtungen beliefert, die Kontaktpflege. „Aufträge erwarten wir uns gar keine, denn es geht nicht um ein Produkt für Endkunden", erklärte Geschäftsführer Christoph Guger im Gespräch mit der APA.

Verfassungsrechtler Funk "skeptisch" zu Online-Fahndung
Foto: APA/dpa - Authentizität der Ergebnisse fraglich

 

Der Wiener Verfassungsrechtler Bernd Christian Funk hat Bedenken, was eine Einführung der sogenannten Online-Fahndung in Österreich betrifft. „Wenn überhaupt, dann wird es sehr eingeschränkt kommen", sagte Funk, der sich als „eher skeptisch" bezeichnet. Mit den rechtlichen und technischen Bedingungen einer künftigen Ausspähung von PCs, Handys oder Blackberries durch den Staat beschäftigt er sich derzeit als Vorsitzender einer interministeriellen Arbeitsgruppe.

 

In Deutschland besonders umstritten, in Österreich eher in Fachkreisen ein Thema: Der sogenannte „Bundestrojaner". Nicht nur Computer-Experten hinterfragen die Machbarkeit von derartigen Schnüffelprogrammen. Auch Funk ist von der sogenannten „Remote Forensic Software" (RFS) nicht restlos überzeugt. „Ein Programm kann nicht zwischen relevanten und irrelevanten Informationen entscheiden." Es müsse auf jeden Fall nachgeforscht werden, „und da taucht wieder die Frage auf, ob es eine wirksame und geeignete Maßnahme ist."

 

Grundsätzlich bestehe bei der Online-Fahndung die Frage, ob es ein „Präventivinstrument oder ein Instrument der Strafverfolgung" sein solle. Der Ministerrat habe „die grundlegende Entscheidung" getroffen, dass sie „kein polizeiliches Mittel" ist, sondern der Verfolgung von Straftaten dienen solle. Dennoch: Die Abgrenzung sei im Einzelfall schwierig. Die Online-Durchsuchung „kann auch zu Präventionszwecken eingesetzt werden, etwa beim schwer nachzuweisenden Straftatbestand der Unterstützung terroristischer Organisationen".

 

Die „forensische Nutzbarkeit", also die Nutzung aufgefundener Daten als Beweise, auch vor Gericht, sei ein weiteres Problem. Durch den Einsatz der RFS finde „immer eine Veränderung in den informationstechnischen Systemen statt", betonte Funk. „Da stellt sich die Frage nach der Authentizität der Ergebnisse." Dem könne zwar mit einer genauen Dokumentation der Eingriffe in das jeweilige IT-System begegnet werden. Selbst mit einer umfassenden, gesetzlichen Regelung „kriegt man die Probleme aber nicht vom Tisch", betonte der Verfassungsexperte. „Eine Fülle von Problemen besteht weiter."

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen.

 

Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind:

- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com

- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com

- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc

- DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at

- DMVÖ Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at

- economyaustria economyaustria.at

- Gentics Software GmbH www.gentics.com

- Hewlett Packard www.hp.com/at

- IT Solution GmbH www.itsolution.at

- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net

- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria

- NAVAX Consulting AG www.navax.at

- NextiraOne www.nextiraone.at

- SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at

- Telekom Austria www.telekom.at

- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at

- APA-MultiMedia multimedia.apa.at

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